Spiel in der KiTa - Spaß in der Stadt - Spannung in der Beinmuskulatur
Ein mitfühlendes Raunen geht durch den Bus, als unser Fahrer Heinz zum Ende unserer 15 stündigen Anfahrt von einem Durch-
fahrtsverbotsschild mit polnischem Untertitel gezwungen wird in eine eng zugeparkte Sackgasse zu lenken. Mit beneidenswerter
Geduld und helfend winkenden Passanten setzt Heinz ca. 80m zurück und hat sich unseren Applaus nach sicherer Reise wirklich
verdient.

Jens FSP II B B1

Das Hostel liegt in hervorragend zentraler Lage. Holztreppe, hohe Altbauwände, traditionelle Deko – einfach, aber gemütlich und
sauber ist unser Domizil. Nach einem kurzen Power-Nap tauchen wir ein in eine Stadt mit ganz eigenem Flair: Viele historische
Gebäude, wuseliger Verkehr, grüne Ruheinseln, hübsche Cafés, Restaurants, viele Musikkneipen, touristische Kutschfahrten, bis
in den Abend geöffnete Geschäfte und soeben aus Deutschland importierter Sonnenschein prägen unter anderem unseren Ein-
druck auf dem Weg zu einem gemütlichen Abendausklang mit erster kultureller Annäherung  „…proszę jeszcze jedno piwo.“

Jens FSP II B B3


Der Besuch einer städtischen Kindertageseinrichtung am nächsten Tag bringt uns zum Staunen. Unsere Touristenführerin über-
schlägt sich fast bei der Simultanübersetzung der „KiTa-Direktorin“, die uns bei Kaffee, Tee und Kuchen sehr engagiert das pol-
nische System und ihre KiTa erklärt. In jeder Gruppe singen oder tanzen uns die Kinder etwas vor. Die hohe Disziplin in den
engen Räumlichkeiten, die altershomogenen Gruppen mit jeweils regulär einer Erzieherin im „Unterricht“ - das ist für uns neu
und auch befremdlich. Auf dem Außengelände nutzen wir die Gelegenheit beim Mitspielen etwas „deutsches Chaos“ zu verbreiten.
Kinderlachen klingt überall auf der Welt gleich.


Direkt im Anschluss führt unsere Touristenführerin die erste Trainingseinheit im städtischen Langlauf durch. Das wurde von dem
ein oder anderen durchaus sprachlich begleitet „… ah, meine Beine…!“, aber quer durch die Innenstadt, über die Wawel (die ehe-
malige Residenz polnischer Könige) bis zum jüdischen Viertel von allen souverän gemeistert.

 


Mit Muskelkater geht es am nächsten Tag 130m tief unter Tage. Das Salzbergwerk Wieliczka hält als UNESCO-Weltkulturerbe er-
staunliche unterirdische Gewölbe einschließlich einer kunstvollen und beeindruckenden Kapelle bereit. Ausgestattet mit Funk und
Kopfhörern jagen wir durch die schummrigen anthrazitfarbenen Salzgewölbe zwar keinem Gespenst, aber unserer recht flotten
Bergwerkführerin hinterher.

Jens FSP II B B4


Ein sehr trauriges Kapitel schlagen wir im Anschluss mit dem Besuch des Konzentrationslagers Ausschwitz und dem Vernichtungs-
lagers Birkenau auf. Im KZ Ausschwitz sind die Gebäude und die Veranschaulichung der Geschichte bereits beklemmend. Die räum-
liche Weite im Vernichtungslager Birkenau lassen uns die grausamen Dimensionen aber noch konkreter erahnen. Die Erkundung vor
Ort ist etwas anderes, als lediglich darüber zu lesen oder Filme zu sehen. Für den heutigen Tag müssen wir die vielen Informationen
erst einmal verarbeiten und wir sind vom langen Laufen müde, aber die Eindrücke führen später immer noch zu kritischen Diskussionen.

Jens FSP II B B5


Uns bleibt noch ein Tag um Abschied von der Stadt und dem Land zu nehmen: Noch ein paar Mal den Trompetenspieler auf der
Marienbasilika hören, der stündlich das national bekannte „Marien-Hejnal“ ertönen lässt – und das seit rund 200 Jahren. Noch ein
paar Andenken in der Tuchhalle auf dem zweitgrößten Marktplatz Polens kaufen. Und schließlich runden wir die Fahrt in einem
polnischen Restaurant etwas übermüdet, aber mit vielen lustigen Anekdoten der vergangenen Tage ab, bevor wir uns im Bus in
aller Ruhe wieder von Heinz nach Hause schaukeln lassen.

Telefon Fachschule St. Franziskus
Telefon:0591 912 19 11
AdresseIn den Strubben 9
49809 Lingen